Sommerstartfestival 2009







Leser-Review

Sommerstart Festival - Galopprennbahn Gotha Boxberg - 2009

Als erstes möchten wir sagen, die Location ist echt der Hammer! Auch die Floors und alles Drumherum wurde sehr liebevoll zu recht gemacht. Und die Musik war auch sehr sehr gut!

Das war´s dann aber auch schon - Hier nun das Leser-Review von Nick:
"Wir wollen jetzt nicht sagen, dass dieses Event "superlativ" oder "einzigartig" wird! Aber mit über 200 DJ´s erlebt ihr eine 5-tägige atemberaubende und abgefahrene Reise"

So stand es im Festival Guide zum Sommerstart Festival, doch was ich die letzten beiden Tage vor Ort erleben musste, war eher eine erschreckende und ziemlich lächerliche Vorstellung.

Weil ich ja sonst immer mindestens eine halbe Stunde fahren muss, um mal zu einer "guten" Party zu gelangen, war ich mal ganz froh, dass endlich auch mal was in meiner Nähe los ist. So hab ich nur einen Fahrweg von 5 Minuten zur Galopprennbahn Gotha Boxberg und könnte immer mal hochschauen wann es mir gerade passt. Dieses Gebiet bietet ausreichend Platz für genug Besucher, doch die vielen tausend Partygäste die die Veranstalter erwarteten, wurden und werden wohl nicht mal annähernd erreicht. Dass dieses Gelände aber perfekt für Festivals geeignet ist, bewiesen die sogenannten „Jesus-Freak“ in den Vorjahren, wo immer tausende Leute aus ganz Deutschland herbei strömten.

Schon zu den Soundchecks am Mittwoch und Donnerstag konnten die umliegenden Dörfer mal "lauschen", was sie in den nächsten Tagen erwarten sollte. Das dies den umliegenden Einwohnern nicht gefallen würde, war wohl vorauszusehen, und als es früh dann weiter ging mit den wummernden Bässen kam es, wozu es kommen musste. 14 Anzeigen bei der Polizei und 30 Beschwerden beim Gothaer Ordnungsamt unter anderem aus Schönau vor dem Walde, Uelleben, Emleben (mein Heimatdorf ) und Boilstädt - das war die Bilanz bis Freitagmorgen. In den Dörfern hielten es die Menschen einfach nicht aus permanent wummernden Bässen ausgesetzt zu sein. Was bei den, am Donnerstag und Freitag früh, rund 200 Techno-Fans vermutlich für euphorische Freude sorgte, erzeugte bei wohl wesentlich mehr Einwohnern der Boxberg-Anliegergemeinschaft tiefen Frust. Die Veranstalter beriefen sich auf einen "technischen Defekt" und sagten weiterhin: "Die Basslevel waren viel zu hoch, wir haben die Techniker nochmal drüber schauen lassen." Zudem wurde eine Sperrzeitverkürzung beantragt und von der Stadt Gotha genehmigt. Damit ist erlaubt, dass bis Nachts um 3 Uhr Musik gespielt werden darf. Zu den 200 Besuchern lässt sich folgendes sagen: Die Besucher kamen, sahen dass nichts los ist und gingen kurz darauf wieder. So war die maximale Zahl an Besuchern in einem Zelt am Donnerstagabend so an die 20 Personen – alle anderen Zelte waren in dieser Zeit komplett leer. Im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung wurde mit einem Großaufgebot der Polizei Gotha, Kontrollen beim An- und Abreiseverkehr aber auch auf dem Festivalgelände durchgeführt. Aber selbst die Staatsdiener stellten schnell fest, hier gibt es heute nichts zu „holen“ und reduzierten ihr Aufgebot auf ein Minimum.

Ab Freitagmittag waren dann alle 6 Floors geöffnet, und es ging genauso weiter wie es aufgehört hatte. Als ich nachmittags gegen 14:00 auf dem Festival-Gelände auftauchte, herrschte auf dem Zeltplatz, bis auf ein paar wenige Zelte, immer noch gähnende leer. Allerdings gehörte von diesen wenigen Zelten der Großteil den Mitarbeitern. In den Floors dasselbe Bild wie schon am Donnerstagabend. Gähnende Leere, hier und da mal ein Besucher aber sonst absolut „tote Hose“. Im Maximum Tent spielte sich DJ NRG in einen Trance-Wahn und in den anderen Zelten nutzen viele DJ´s die Zeit um ein wenig zu trainieren und ein bisschen zu experimentieren. So bereitete ich mich ganz auf den Abend vor und freute mich auf die bevorstehende Nacht und das vielversprechende Line Up. Gegen 21:30 wieder angekommen, blickte ich immer noch in leere Floor, mehr als 200 Leute werden es wohl insgesamt am Abend nicht gewesen sein. Nach offiziellen Angaben, seien rund 800 Karten im Vorverkauf verkauft worden, aber wo diese Besucher nun schlussendlich waren, bleibt eine Frage für sich.

Um 22:00 Uhr sollte dann, wie es auf den mit Panzertape befestigten Timetables stand, im Maximum Tent, der Japaner Takkyu Ishino auflegen. Dieser Mega-Act sollte ja den meisten noch von seinen Auftritten im Club Centrum im Jahre 2000 oder der Bienstädter Warte bekannt sein. Doch 22:00 war nichts von ihm zu sehen bzw. zu hören, und so hämmerte der Totmacher weiter seine harten Bässe in das Maximum-Tent. Gegen 23:00 sah man dann Takkyu Ishino zum ersten Mal im Zelt und gegen 23:15 begann er dann seinen Auftritt. Als man im Zirkuszelt die meisten Partygäste zählten konnte, waren ca. 100 Personen anwesend. Doch nach einer Stunde kam es dann zu einem Stillstand und für mich zum traurigen Höhepunkt des Abends. Takkyu Ishino unterbrach sein Set, packte seine Sachen und ging aus dem Zelt. Keiner wusste was jetzt so richtig passiert war. Und so standen alle einfach so rum. Wie sich später herausstellte, verließ Takkyu Ishino das Zelt, weil er keine Gage für seinen Auftritt keine Gage bekommen hatte. Nach 15 Minuten Pause legte dann irgendjemand (ich denke mal von Deflect-Booking) auf. Und so ging es weiter: Es waren weder ein Johannes Heil, weder ein Tobi Neumann, weder ein John Aquaviva und so weiter, hinter den Plattenteller zu sehen. Zwar war Johannes Heil auf dem Festival Gelände, aber sicher kannst sich jeder vorstellen was er machte, als man Johannes erklärte, dass er kein Geld für seinen Auftritt bekommt. Zu Johannes Heil gibt es noch eine „lustige“ Hintergrundgeschichte: Johannes Heil kam mit 2 Freunden, hätte aber laut seinem Vertrag 25 Personen als VIP mit reinnehmen dürfen. Und nach einer Stunde kamen dann Leute zur VIP-Kasse und sagen sie gehören zu Johannes Heil, seien nur später gekommen - wie dieses Problem gelöst wurde kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall habe ich Johannes Heil den ganzen Abend nicht mehr gesehen. Insgesamt war kein „Mega“-Headliner an diesen Abend zu hören. Sonst kann man zu der Musik nicht viel sagen. Ein Denard Henry spielte 3 Stunden lang vor leeren Publikum, ein Stephano spielte ein schönen House-Set und konnte sich den größten Teil der Besucher zu sich ziehen, Kattka als weibliche Djane legte mit einem Freund schönen Elektro auf, und der Rest probierte irgendwie die Zeit rum zu kriegen.

Und es wurde noch besser, gegen 01:00 Uhr wurde dann ein Floor nach dem andern zu gemacht und nur noch ein Zelt war geöffnet in dem sich die übrigen Besucher versammelten. Nun verloren auch noch die Timetables ihre Bedeutung.

Für diesen lächerlichen Abend dann noch einen Preis von 30 Euro zu verlangen ist eine bodenlose Frechheit, und für die Leute die ein Wochenend-Ticket gekauft haben, wohl ein Grund nächstes Jahr nicht wieder zu kommen. Jetzt die Ticketpreise zu senken ist ebenfalls ungerecht den gegenüber die am Freitag 30 Euro gezahlt haben und nichts dafür geboten bekommen haben.

Aus Angst vor wütenden Reaktionen oder aus irgendwelchen anderen Gründen findet man seit heute auch kein Gästebuch mehr auf der Internetseite der Veranstalter. Ich bin gespannt wann ein offizielles Statement zum Fall Takkyu Ishino und zum ganzen Festival-Wochenende erscheint.

Dadurch, dass ein extremes Geldproblem beim Veranstalter vorliegt, bin ich ebenfalls gespannt wie die restlichen 3 Tage bei diesem Festival verlaufen. Wenn man nach 2 Tagen schon hören muss von einem Veranstalter: „Jetzt geht es hier nur noch um Schadensbegrenzung“, dann zeigt das schon von einer ziemlich verkorksten Veranstaltung. „Man hoffe auf einen gutlaufenden Samstag um jedenfalls die restlichen Tage gut ausklingen zu lassen“, so ein Mitglied der Crew.

Wir sind gespannt . . .

Autor: Nick


Samstag: Es änderte sich nicht viel. Als wir ankamen waren mit Personal, Security und Gästen ca. 1oo Personen auf dem Gelände. Nach einem kurzen Platz-Check schauten wir im VIP-Zelt vorbei. Frustrierte DJs wohin das Auge blickte.... bis auf... ja, Marco Remus nahm das ganze mit Humor und lies sich seine Gage in Jägermeister auszahlen und verteilte ihn unter den anwesenden.

Von den 6 Zelten waren bereits 18:0o Uhr zwei geschlossen. Aber auch in den restlichen Floors herrschte vorwiegend gähnende Leere. Nur ein paar wenige Hartgesottene Partypeople feierten im Zirkuszelt.

Das einzig positive an diesem Samstag – es gab Bratwürste ;-)

Am Sonntagabend bekamen wir dann vom Veranstalter die sms, dass sie das Festival am Sonntag früh um vier abbrechen, und alle DJ-Bookings abgesagt werden.

Unser Fazit: Wer nicht wirbt – der stirbt. In diesem Fall war es ein sehr schmerzvoller Tot. Schade um eine gute Idee und eine noch tollere Location.






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