Achtung, Achtung: Bitte unterbrechen Sie Ihre japanische Teezeremonie. Stellen Sie die Tassen beiseite und lassen Sie Lotusblüte Lotusblüte sein. Nehmen Sie Ihre Plätze auf dem Dancefloor ein. Denn nun folgt: Der zweite Streich.
Man wusste nicht viel, was denn da kommen würde. Als „Letters & Signs – Part One“ im September 2009 erschien, hatten die Arbeiten an der Fortsetzung zwar schon begonnen. Cluborientierter sollte sie werden, zurückgenommene Gitarren bei vollem Prozessorenbeschuss. Mehr war nicht zu ahnen. Denn bei Northern Lite ist prinzipiell immer alles möglich. Freilich: Andreas Kubat und Sebastian Bohn haben Wort gehalten. „Letters & Signs“ ist zu einem ausgesprochen tanzbaren Album geraten. Mit leichter Hand kreuzen sie – und die mittlerweile zum festen Band-Line-up gehörenden Gitarristen Frithjof Rödel und Valerian Herdam – Elektropop, Indietronic und atmosphärische Vocals.
Nichts anderes darf man von ihnen erwarten. Denn dass sich die binäre Maschinenlogik der elektronischen Musik und strombefeuerte Gitarrenmusik inzwischen so gut vertragen und ihr wilder Paarungstanz die Dancefloors von Berlin über New York bis nach Japan beherrscht, ist nicht zuletzt dem Verlauf ihrer Geschichte zu verdanken, die vor gut dreizehn Jahren in Erfurt begann. Inmitten eines Geräteparks aus Samplern, Synthies und Sequenzern erschufen Kubat und Bohn quasi in Heimarbeit – „Small Chamber Works“ (2000) dann auch der Titel des Debüts – etwas, das die Welt eine Weile „Neopop“ nennen sollte: minimaler Techno, dem Rock entlehnte Riffs und melodiöser Gesang. Yello, Rammstein, Peaches ließen sich seitdem von Northern Lite remixen, Major-Companies kamen und gingen, beim Dance Music Award honorierte man 2005 das musikalische Grenzgängertum und würdigte Northern Lite als „Best Indie / Electronic Artist“. Sie coverten „Go With The Flow“ von den Queens Of The Stone Age und traten zusammen mit Chapeau Claque unter das Bühnenlicht des Bundesvision Song Contests. Nach „Unisex“, „Super Black“ und „Letters & Signs – Part One“ ist dies nun das siebte Album.
Ganz Recht: Keine Atempause, Geschichte wird gemacht. Zwischendurch remixten Northern Lite noch „Wir warten (Ihr habt die Uhr, wir die Zeit)“ von den Fehlfarben. „Wir warten weniger“ erschien im Januar als Digital-Release – mal so ganz nebenbei.
„Letters & Signs – Part Two“ weist nun den Weg zurück in den Club – und der verläuft verhältnismäßig geradlinig. Planen aber lässt er sich nicht. Klar ist: Er nimmt seinen Ausgang beim Streben nach unbedingter Perfektion – und führt von ihr weg. Es gibt keinen Leitstern, unterwegs blitzen die Stroboskope des musikalischen Experiments. Northern Lite folgen ihnen mit der Lässigkeit der geübten Weltenentdecker. Titel wie „Run“, „Home“ und „Let yourself go“ sind die Wegmarken der Reise. Die Reisegeschwindigkeit gibt die Bass Drum vor, der Bass brummt wie ein Diesel und unterwegs gibt es viele Geschichten zu erzählen – bis es dann irgendwann heißt: „We all must return to dust“.
Auch „In Japan“, die erste Single-Auskopplung erzählt eine Geschichte: die von einer der ersten Reisen, die Northern Lite nach Tokio unternahmen. Nur so viel sei an dieser Stelle verraten: Der Mann, den sie dort trafen, hatte recht. „Empty out your mind“, sprach der und: „Put onlythe right things in again.“
Sie dürfen also Ihre Teezeremonie für einen Moment wieder aufnehmen und mal ganz in Ruhe darüber nachdenken. Und während Sie noch schlürfen, sitzen und denken, werden Sie feststellen:
Es ist alles so wie damals: ganz neu.
VÖ 30.07.2010
Der Tourblog von Northern Lite ist online
Wir waren gestern beim Videodreh zur neuen Single "FLAME" dabei. Bis früh um 02:00 Uhr feilten Andreas, Sebastian, Frithjof, das Video-Team und die vielen Helfer an unendlich vielen Einstellungen und Szenen. Hier ein kleiner Einblick in die Arbeit der letzten Nacht.
Northern Lite | Letters & Signs – Part One
Noch im vergangenen Jahrtausend nahm man an, dass es nur nördlich des 60. Breitengrads zu bizarren Leuchterscheinungen kommt, wenn der Sonnenwind geladene Teilchen auf die Erdatmosphäre bläst. Heute ist man da weiter: Die eindrucksvollsten Lichter entstehen nicht dort, sondern unter dem Nachthimmel von Erfurt.
Northern Lite stammen von dorther. Seit zwölf Jahren feuern sie Elektrometeore in Richtung Firmament, deren Strahlkraft inzwischen auch international zu einem Begriff geworden ist. Fünf Studiowerke, 100.000 Besucher auf der jüngsten „Super Black“-Tour, Remixe für Rammstein („Rosenrot“), Yello („Planet Dada“) oder Peaches („Sell It Off“) sprechen eine deutliche Sprache. „Go With The Flow“, ihre Coverversion von Queens Of The Stone Age, machte Furore. Northern Lite wurden mit dem Dance Music Award ausgezeichnet („Best Indie / Electronic Artist“) und sorgten im grauen Einerlei des Bundesvision Song Contest für Farbe. Mit „Letters and Signs“ erscheint nun das sechste Album – nach zwei Ausflügen („Unisex“ und „Super Black“) in die Welt der Major-Plattenfirmen nun wieder auf einem Indie. Und das ist nur der erste Teil: Anfang des kommenden Jahres kommt dann „Letters & Signs – Part Two“.
Northern Lite haben sich ihr eigenes Genre geschaffen. Als man noch glaubte, Starkstrom und Mikroprozessorelektronik wären einander streng verfeindet, schmuggelten sie plattenkistenweise Neo-Techno-Beats ins Gitarrenlager. Umgekehrt zeigten Andreas Kubat und Sebastian Bohn, dass elektronische Musik klassisches Songwriting nicht ausschließt. Und so war es nur ein kleiner Schritt vom Produzenten-Duo zur richtigen Band: Die Gitarristen Frithjof Rödel und Valerian Herdam gehören inzwischen zum festen Line-up, elektronischer Indie, rockender Elektropop und Indietronic sind zu festen Spielarten zeitgenössischer Popmusik geworden.
„Letters & Signs“ treibt dieses freigeistige Spiel ein ordentliches Stück weiter. Schon das Titelstück, das vorab als Single ausgekoppelt wird, verschmilzt hymnische Melodien, treibende Gitarren und Synthie-Sweeps zu einem energiegeladenen Amalgam. „I grope in the dark / I can’t find my mark / I touch and I feel, but nothing is real“ – große Pop-Lyrik über den Orientierungsverlust inmitten eines Wusts aus Zeichen und den Versuch einer Neuordnung. Und so ist das Leitmotiv gesetzt: ein präziser Songaufbau und sorgfältige Arrangements als Kontrapunkt zu diffusen Emotionen.
„Letters & Signs“ ist ein Statement. Dem Major haben Northern Lite Lebewohl gesagt. „Ein Versuch“ sei es gewesen, sagt Kubat. „Doch wir sind sehr froh, keine künstlerische Kontrolle mehr abgeben zu müssen.“ Und das hört man „Letters & Signs“ an. Die unterschiedlichsten Stilistiken treffen aufeinander, das musikalische Ergebnis ist das Spiel freier kreativer Kräfte. Die zehn Songs wurden von Kubat und Northern Lite selbst produziert, den Mix erledigte Philipp Hoppen (Transporterraum), der auch bereits für die Ärzte und die Beatsteaks hinter den Reglern saß.
„Letters & Signs – Part One“ ist der vorläufige Höhepunkt in der musikalischen Entwicklung von Northern Lite. Am, im Frühjahr 2010 erscheinenden, zweiten Teil wird noch gearbeitet. Bisher weiß man: Das Update verschiebt den Fokus vom Song in Richtung Club – weniger Gitarren, mehr Strom. Denn Northern Lite stehen nicht zwischen den Stühlen, sondern bewegen sich: zwischen den Polen; zwischen Fiktion und Wirklichkeit, Glück und Verzweiflung, Licht und Dunkel. Was mag das nur für ein Land sein, dieses Land der Träume?
Am 18.09.2009 kommt „Letters & Signs – Part One“ in die Läden.
live
07.08.09 Schierling / Labertalfestival
08.08.09 Saalburg / Sonne, Mond & Sterne Festival
09.08.09 Eschwege / Open Flair Festival
15.08.09 Hradec Kralove / Summer Of Love Festival
06.11.09 Eisenach / Spitz
07.11.09 Schwerin / Aplha Festival
13.11.09 Hamburg / Markthalle
14.11.09 Altenburg /
19.11.09 Zürich / Hive
21.11.09 München / Muffatwerk
04.12.09 Rostock / Mau
05.12.09 Berlin / ASTRA
25.12.09 Erfurt / Arena
26.12.09 Dresden / Eventwerk
27.12.09 Leipzig / Werk II
28.12.09 Zwickau / Alter Gasometer
Berichte, Fotos, Tour-Daten und vieles mehr von Northern Lite bekommst du auf NorthernLite-online.de und auf Northernlite.de
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