Unser Buch-highlight

 

 





» »Du solltest das Kokain unbedingt mit so viel Ketamin mischen wie möglich, das ist vernünftiger, es ist Sonntag, es herrscht eine neue Logik. Nimm!«

Frisch aus der Druckerei: STROBO

»Du solltest das Kokain unbedingt mit so viel Ketamin mischen wie möglich, das ist vernünftiger, es ist Sonntag, es herrscht eine neue Logik. Nimm!«

Berlin ist wieder im Techno-Fieber. Wenn man dieses Jahr in New York über Berlin spricht, dann nicht über die Staatsoper oder die Philharmonie, sondern über das Berghain, den „Besten Club der Welt“, über die Rückkehr der Afterhour, über die Einzigartigkeit des elektronischen Nachtlebens.

Doch wie lebt es sich im Techno-Fieber? Wie sieht das Leben eines Menschen aus, der nach zwei Tagen Party am Montag wieder zur Arbeit geht, der von dieser Entwicklung mitgerissen wird und doch sein ganz eigenes Leben führt?

Der Blogger Airen hat zwei Jahre Berlin mitgeschrieben … Eine Zeit, in der sein Leben zwischen Wirtschaftsstudium und Gefängnis, zwischen Beratungsfirma und Darkroom doch nur zwei Konstanten kennt: Techno und Drogen.

»Das Unerträgliche erträglich machen«, beschreibt er den Morgen, als er auf einer Afterhour mit drei Unbekannten zu sich kommt, »darum geht es doch im Leben.« Airen hat fünf verschiedene Drogen im Blut, wird sich gleich mit Valium in den Schlaf zwingen und später gefühllosen Sex mit einer alten Bekannten haben. Im Laufe des Buches wird Airen zwei Mal verhaftet, sitzt elf Tage im Gefängnis, verkauft Drogen auf der Loveparade, nimmt beinahe am Berliner Firmenlauf teil, hat Sex mit Frauen, Männern, Prostituierten und Transsexuellen und arbeitet jeden Tag in einer Unternehmensberatung.

»Airen hat den Kontrastregler seines Lebens voll auf rechts gedreht«, schreibt der Münchner Autor Deef Pirmasens. Er vertonte in seinem Podcast »Die Gefühlskonserve« das »Strobo«-Kapitel »In der Hölle« und wurde u.a. dafür mit dem internationalen »Best of Blogs«-Award der Deutschen Welle ausgezeichnet.

»Strobo« ist ein im Rausch geschriebenes, schonungslos ehrliches, hartes und intensives Werk. Die Spirale aus Ekstase und Ernüchterung, aus Party und Zusammenbruch dreht sich immer schneller … Am Ende scheint es für Airen nur einen Ausweg zu geben: Mexiko.

Airen, geboren 1981, aufgewachsen in Bayern, Abitur 2001, Bachelor of International Business Administration 2006, absolvierte nach dem Studium ein Praktikum in einer Unternehmensberatung in Berlin. Nach zwei Jahren in Mexiko lebt und arbeitet er heute wieder in Berlin. Seit 2004 veröffentlicht er regelmäßig Texte auf airen.wordpress.com.

erschienen im August 2009:
STROBO
Roman
176 S., Broschur
978-3-941592-06-3
17,00 Euro

Bestellt werden kann bei Amazon .

Oder zum günstigeren Versandkostenpreis direkt beim Verlag SuKuLTuR.


http://technoprosa.wordpress.com/



Alien
August 20, 2009 by technoprosa

„Magst du was ziehen?“, fragte ich sie, als sie sich endlich umgedreht hatte. Ich hatte sie zuvor bestimmt zehn Mal an fünf verschiedenen Stellen ihres Körpers antippen müssen, bis sie aus ihrem Tanz erwachte. „Magst du was ziehen?“ rief ich ihr also noch mal ins Ohr und versuchte dabei einigermaßen beherrscht zu schauen. Nicht so absofuckinglutely out of my mind, wie ich mich gerade fühlte. Dann drängten wir uns über den voll gestopften Dancefloor des Berghains, stolperten an der Bar vorbei und schlossen uns in einer Kabine ein. „Was hast du denn?“, fragte sie, „Speed.“, antwortete ich und es hätte der Beginn einer wunderbaren Liebe sein können. Wir danceten dann wieder etwas abseits und dann und wann nahm sie mich und schrie mir Sachen ins Ohr. Ich legte meinen Arm ebenfalls um sie und antwortete „Ja.“ weil ich absolut nichts verstand. Dabei war sie schon süß. Ellen Alien legte jetzt „Missy Queen’s Gonna Die“ auf, ein gefühlloses jamais-vu, eine eiskalte Offenbarung der Sinnlosigkeit dieser Musik. Dann standen wir in diesem blöden verglasten Raucherraum, in dem schon der Tag angebrochen war, oder besser das Grauen angekrochen bzw. das Licht der nüchternen Betrachtung all dessen, dem natürlich nichts Stand hielt. Ach nein, zuerst zwang sie mich, ein ganzes Glas Wasser auszutrinken.

Dann standen wir da im Licht und rauchten.

Dann hüpfte sie hoch über die Treppe auf die Chillfläche über den Toiletten. Ich sah ihr nach, sah ihren grünumwickelten Apfelpo, zögerte kurz, dachte „fuck it“ und ging straight durch in die Panorama Bar. Dort explodierte gerade ein Bass und zerbrach in tausend exakte Scherben.

Dann flaute doch alles wieder ab. Minimale Musik auf beiden Floors. Als verheirateter Vater stand ich irgendwann nur noch am Rand, klaute kein Bier mehr, zog auch nichts und machte mir dementsprechend Gedanken:
Gibt es eigentlich überhaupt noch so was wie peak-time Techno?
Muss man dafür mittlerweile bis Sonntag Nachmittag warten?
Sind das also die späten Nuller Jahre?

Als ich am Vormittag das Berghain verließ ging ich nicht hinaus, nicht nach Hause, nein, ich überließ dieses Wunder von einem Club einer anderen Generation.

Einerseits
August 20, 2009 by technoprosa

ist Liebe aber immer auch eine Forderung, so gesehen auch eine Bürde, denn there’s no such thing as a free lunch, suche Wärme, gebe Leben, bis dann doch nur ein warmüberkleistertes Loch im gekannten bewährten Chaosleben zurückbleibt. Chaosleben ist im Übrigen sowieso der höchste anzustrebende Zustand. Denn alles führt ja von selber von sich aus ganz automatisch zum Chaos und dies zu bejahen oder gar prototypisch zu personifizieren, ein Künstlerleben zu führen also mit Glitter, Schmutz und Pailletten, mit ganz bösem Nightmare-Bass für Erwachsene, mit farbigem Schattenspiel auf hyperrealen aber durch Rohypnol etwas schlecht aufgelösten Vaselintitten, das sollte dann doch angesichts der Vielfalt und Greifbarkeit dieser realistischen Erlebenssequenzen einem durch Liebe betäubten Leben vorzuziehen sein. Merkt man leider auch erst, wenn es zu spät ist, sprich wenn man auf anderthalb grüngesprenkelten Mitsubishis unter den ermutigenden Blicken glatzköpfiger, entmannter, dominierter Männer im Virchow-Klinikum eine Plastikpuppe in Windeln einwickelt. Dann kommt er von ganz weit hinten, auch ganz weit von innen: Der Bass, dem ich mein Leben widme.

Ich würde in diesen Momenten gerne in der fernen Zukunft leben, so Blade Runner mäßig. Dann würde ich aber auch nur auf Techno-Parties gehen und wie eine Ratte durch morgendliche graue Schächte rennen. Ich wäre der verlorene Sohn einer verlorenen Zeit; kein Gott, keine Moral hielte mich auf auf meinem Lauf durch die fensterlosen Gänge einer elektrisch verrauschenden Zeit.

Techno-Milch
December 20, 2007 by technoprosa

Jetzt lasst mir mal hier noch meine zwanzig Minuten Kontemplation bevor ich loslege und sowieso jeden in Nullkommanichts mit Nonsens zuschwalle. Es ist die Stille nach dem Scheissen, die Ruhe vor dem Sturm. Ich sehe Sterne. Mein Kopf atmet Techno-Milch. Gleich geht die Party los. Alles droehnt diffus. Gleich…

Peng, Blitz und los! Hat noch einer verdammt was gegen die Mucke gesagt?! Hallo??! Upstart und rein in’s Gedraenge! Die Menge nimmt dich freundlichst auf, der Sound diktiert allen: behave! Los, smile und dance.

Techno ist nicht nur die Musik, sondern gleichzeitig auch die tausend Geschichten, die automatisch drumherum geschehen. Die beiden die mit der Zeit im Nacken vor der Kloschuessel knien und nur moeglichst schnell das geile Pulver in die Nase kriegen wollen, so wie es der Sound befiehlt. Der aus dem dunklen Gang heraus taumelt, mitten ins Licht, ins Technoparadies, schon zappelt. Die schon da liegt und seit Stunden nur noch akustisch dabei ist. Die wir alle tanzen, Denken durch Takt ersetzen, mit voller Geisteskraft nur nach Vergessen im Tanzen und Sein streben, Technojugend im Jetzt eben mit jedem Beat sind. Get ready. Das ist erst der Anfang. Es ist erst frueh um acht, gleich legt Galluzzi auf, und dann legen wir alle nochmal nach und alles wird erst dann anfangen, in den ganzen Erzaehlungen, Technomythen, Gespraechsstoffkreislaeufen, Drogenstories, Afterhouranekdoten, in all dem auf Matratzen Gesaeuseltem, zwischen Joints und der wacher werdenden Frage, ob das alles okay so ist, in all dem Text, der bis zum Mittwoch bleiben, der geschrieben, gemerkt, geglaubt und von einem zum anderen ueber die tausend Kanaele der Nacht noch in den letzten Winkel dieser nach Neuem lechzenden und alles neumachen wollenden Welt, Unterwelt, Technowelt, dem ultimativen Fick, dem Bass, auf alle moeglichen Arten der sommerlich den sommerlichen Rausch ueberdauernden Kommunikation zugleich gebracht werden, verstanden und gemerkt werden wird. Jetzt eben, durch die Musik.

In diesen Momenten merkst du, dass du Techno mehr zu verdanken hast als deinen Eltern, dass es nur einen Gott gibt: Party.

Du solltest das Kokain unbedingt mit soviel Ketamin mischen wie moeglich, das ist vernuenftiger, es ist Sonntag, es herrscht eine neue Logik. Nimm! Deine Freunde ziehen dich aus dem Loch in die naechste Bar. Du bist in Berlin und von allem ist noch genuegend da. Wir haben noch was vor heute, Jungs. Let’s dance! Fucking, …





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